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Alicia Edelweiss -When I'm enlightened, everything will be better

9-Track-CD/Digital

8-Track-LP
Label: MedienManufaktur Wien
Vertrieb: Rough Trade Records
VÖ: 06.09.2019

Rainer Krispel schreibt: 

Das neue, zweite Album – nach dem 2016er Debüt „Mother, How Could You“ und der 2012 erschienen Ep „ I should have been overproduced “ – der in Wien lebenden und arbeitenden Alicia Edelweiss, ist eine durch und durch erstaunliche Angelegenheit. 9 Songs (8 eigene und „Fare Thee Well“, ein englisches Folk-Traditional), zeigen die poetische Kraft und Klarheit ihrer Musik in einnehmender, an- und berührender Deutlichkeit. Schon ist mensch versucht, das „magic“ aus dem oben zitierten „ The Secret Garden“, für die Musikerin selbst ein Schlüsselstück ihrer jüngsten Arbeit, aufzugreifen, und „Zaubermusik“ als Genre für ihr Schaffen zu assoziieren. In der sich Selbsterlebtes, Übersteigertes, Träume, Splitter von Sagen oder aus Kinderbüchern zu einer so ganz anderen, mal erschütternden, mal erheiternden künstlerischen Reflexion unserer aller Wirklichkeit verbinden. Was diese Musik jenseits solcher Begrifflichkeiten prägt, umfasst inhaltlich und formell ein erstaunliches Spektrum.

„Teilweise komödiantisch, teilweise auch sehr tragisch“, umriss Alicia selbst einmal, mit der ihr eigenen unprätentiösen Gelassenheit, die Themen ihrer Lieder. Was sich in Stücken wie „Dead Skin“, „The Cockroaches And Me“, „The Secret Garden“, „Skeleton Woman“ („what must die, die/what must live, live“) bis zum abschließenden „Feeling Like The Last Unicorn“ reichlich wiederfindet, das pralle Leben, gespiegelt und nachempfunden in Songs. Beachtlich dabei, wie „leicht“ und „schwer“ dabei auf eine ganz eigene Art miteinander zu tanzen beginnen, und wie „ganz“ das Ergebnis schließlich anmutet.

Auf musikalischer Ebene dadurch wiedergespiegelt, wie Alicia Edelweiss mit dem Violinisten Matthias Frey und dem Cellisten Lukas Lauermann, die parallel zur Arbeit am Album zu ihrer „Band“ wurden, ganz flüssig eine musikalische Sprache formuliert, in der sich Alicias prägende Erfahrungen als Straßenmusikerin und Urban Folkmusician mit dem „klassischen“ Streicher-Instrumentarium zu etwas ganz Eigenem und Wunderbaren verdichten. (Alicia spielt eine Vielzahl an Instrumenten auf dem Album, von Akkordeon bis Ukulele, diverse Gäst*innen steuern Kontrabass, Snare oder singende Säge bei). Es mag der Erfahrung auf der Straße zu spielen gedankt sein, dass „When I ́m enlightened, everything will be better.“ in seiner Gesamtheit zugleich in sich ruht und – fast paradox – doch versteht, seine Hörer*innen nachhaltig und gründlich zu packen, wie von selbst in die reiche Welt seiner Lieder zu ziehen. Obwohl derzeit annähernd sesshaft (und als Musikerin in der Band von Voodoo Jürgens an noch einem anderen Popwunder neben dem eigenen beteiligt) sind Reisen und Reiselust ein weiteres tragendes Element der Kunst von Alicia Edelweiss, ob metaphysische oder tatsächliche. Mit ihr und ihren Liedern auf diese Reisen zu gehen, ist eines der lohnendsten Abenteuer, das die heimische Musik derzeit zu bieten hat!

FM4 Berichterstattung über den Auftritt am Popfest 2018

Das Highlight des Abends: Alicia Edelweiss. Zusammen mit zwei Streichern und gehüllt in ein silbern-schimmerndes Abendkleid zieht uns die Singer/Songwriterin in ihre Welt. Es gibt zwei Alicia Edelweiss’: die lustige und beschwingte, die von ihrem ZusammenLeben mit Kakerlaken singt („The Cockroaches and me“), Hula Hoop Reifen als Zugabe auf der Nase balanciert, oder ihre To-Do-Liste von 2017 in einem Song abarbeitet: „Ich bin schon fast bei der Hälfte.“ Und dann gibt es noch die traurige, melancholische und dramatische Alicia Edelweiss.
Es geht um Väter, die ihre Töchter ins Meer werfen („Skeleton Woman“), und darum, wie es ist, in unserer Gesellschaft eine Frau zu sein
(„I changed my voice“). Aber so ist das eben, wenn man weit gereist ist und schon viel erlebt hat: die Themen werden vielfältiger und stagnieren nicht. Bei Alicia Edelweiss, die als Straßenmusikerin ihre Karriere begonnen hat, fügen sich all diese Geschichten zu einem großen Ganzen. Sie wechselt nicht nur zwischen Akkordeon, Gitarre, Flügel und Ukulele, sondern auch zwischen Stimmlagen und Charakteren, je nachdem was der Song eben verlangt. Das Publikum ist ein sehr aufmerksames, lacht wenn etwas lustig ist und ist sichtlich gerührt bei den traurigen Stellen. Am Ende gibt es Standing Ovations im ganzen Saal. Zu Recht.“

 

Alicia Edelweiss – Stimme, Akkordeon, Ukulele, gitarre

Matthias Frey – Geige & Stimme

Lukas Lauermann – Cello

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