ERNST MOLDEN
die songtexte


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serpentina
der sandmann war schon da
la luna macht ihr kreissägengesicht
ich spüre meine liebste überall
nur sichtbar ist sie nicht

in meinem kleinen zimmer aber wartet ein exotischer geruch
serpentina zu besuch

ich habe meine schwächen
aber eine nur ist richtig groß
ich gehe oft durch träume
aber einer nur macht mich atemlos

sie nimmt mein herz und legt es auf den tisch als wärs ein buch
serpentina zu besuch

sie kommt wie ein versprechen wie ein lachen
wie ein unsichtbarer brand
ich trage tief zinnoberrot am rücken
das zeichen ihrer hand

sie sagt du wirst mich eines tages sehn als wärs ein fluch
serpentina zu besuch


angiolina
wieviele nächte können tanzen
wieviele nächte enden nie
wieviele nächte hat ein leben
wieviele nächte hatte sie

sie kommt und geht den kopf verdreht
mit diesem duft von blauen blumen
den sie durch die straßen trägt
sie kommt und geht wenn ihr sie seht
fragt nicht wie spät

die schöne blaue hure angiolina

wieviele männer tragen hüte
wieviele männer schlafen nie
wieviele männer sind verschwender
wieviele männer liebte sie

sie kommt und geht den kopf verdreht
mit diesem duft von alten blumen
den sie durch die straßen trägt
sie kommt und geht wenn ihr sie seht
fragt nicht wie spät

die schöne blaue hure angiolina

sie kommt und geht den kopf verdreht
mit diesem duft von blauen blumen
den sie durch die straßen trägt
sie kommt und geht wenn ihr sie seht
sprecht ein gebet


es geht voran
ich komme deine stille streifen
ich werd nach deinem willen greifen
ich werde deine plage und
ich liebe dich
ich komme deine stunden zählen
ich lasse dich von hunden quälen
ich strafe deine tage und
ich liebe dich

am tage unserer hochzeit aber
male ich dich purpurfarben an
und du wirst sehn
es geht voran

ich laß dich bei den ratten bleiben
ich wills mit deinem schatten treiben
ich raube dir dein staunen und
ich liebe dich
ich werde dein geheimnis finden
und es fest an meines binden
so sind meine launen und
ich liebe dich

ich bring dir jeden morgen deine blumen
die kein anderer finden kann
und du wirst sehn
es geht voran

am tage unserer hochzeit aber
male ich dich purpurfarben an
und du wirst sehn
es geht voran


teufel
mein herz ist voller krötengift
dein schlüsselbein ist weiß
ich fliege gierig immerzu
um deinen leib im kreis
der schweiß auf deinem dünnen haar
riecht salzig wie das meer
da hab ich mich zu dir getraut
und jetzt wird alles schwer
so schwer

ich bin dein mann
ich schau dich an
ich nehm das messer und denke mir dann
was wär ich dumm
bring ich dich um
renn ich doch wieder so einsam herum

ich schütte wein auf deinen bauch
ich stehle dir dein wort
ich nenn dich hure und spinnenbraut und
so weiter und so fort
dann fresse ich dein augenlicht
und spuck es in die nacht
doch du sagst nur ich liebe dich
und bleib mir heut nacht
heut nacht

ich bin dein mann
ich schau dich an
ich nehm das messer und denke mir dann
was wär ich dumm
bring ich dich um
renn ich doch wieder so einsam herum


dein blut
dein blut kann leise singen
dein blut ist immer rot
dein blut kann haushoch springen
dein blut hat niemals not
dein blut ist eine fabel
dein blut ist ohne schmerz
ganz blutig ist dein nabel
noch immer schlägt dein herz

die welt kann mich beneiden
denn was ist schon so gut
als in dein herz zu schneiden
zu warten auf dein blut

dein blut klingt laut vor lachen
dein blut ist nicht allein
ich werde bei ihm wachen
und immer bei ihm sein
dein blut wärmt meinen winter
dein blut mit seinem rot
jetzt sehe ich dahinter
ich sehe du bist tot

die welt kann mich beneiden
denn was ist schon so gut
als in dein herz zu schneiden
zu warten auf dein blut


wien
wir kannten sie als rosa sie war schön
wir konnten sie beim stiegenwaschen sehn
bis sie es endlich lernte kopf zu stehn
im zirkus klatschten männer sie war schön

da machte ihr ein storchengeist ein kind
da war das kind so klein wie kinder sind
die rosa ließ es kopfstehn und geschwind
erschien der tod und borgte sich ihr kind


wieso kommt keiner morgensfrüh nach wien
und sieht die huren vor den straßenkehrern fliehn
und hört die engel durch die praterbäume ziehn
wieso kommt keiner morgensfrüh nach wien

im prater morgensfrüh sieht man sie stehn
und zu den storchengeistern um ein neues flehn
die geister lachen nur bevor sie gehn
dabei ist rosa doch so schrecklich schön


wieso kommt keiner morgensfrüh nach wien
und sieht die huren vor den straßenkehrern fliehn
und hört die engel durch die praterbäume ziehn
wieso kommt keiner morgensfrüh nach wien


gut nacht
gut nacht
noch 3 augenblicke zeit
gut nacht
unser schiff steht schon bereit
pack die koffer schließ die türen
wir wolln dich zu den stenen führen
ganz sacht

gut nacht
noch 2 augenblickezeit
gut nacht
dunkler himmel weißes kleid
und man wird dir flügel geben
und ein schloß um drin zu leben
jede nacht

gut nacht
noch 1 augenblick ist zeit
gut nacht
wir sind zwar alle nicht gescheit
doch wir werden das ist fein
zuerst im paradiese sein
wär doch gelacht

gut nacht


nach dem regen
ich hab dich lieb, entdeckt, begehrt,
am ende dann gefangen,
auf händen in den wald gebracht,
(der himmel ganz verhangen)

gezählt die wunder deiner haut,
gefunden mehr als sieben,
und unter deinem flügel eingeschaut
da bin ich dann geblieben

nach den regen werden wir vielleicht noch ganz normal
fahren in die stadt, essen im lokal.
doch bis es soweit ist, werden wir uns kaum bewegen,
denn jetzt kommen wir.
die welt kommt nach dem regen.

die alten sachen im gepäck
die haben wir vergraben
und hinterm haus dein kinderschreck
den fressen sieben raben

ich schau mir deine augen an
ich zähl die fische drin
und findst du mich ersoffen siehst
daß ich lebendig bin

nach den regen werden wir vielleicht noch ganz normal
fahren in die stadt, essen im lokal.
doch bis es soweit ist, werden wir uns kaum bewegen,
denn jetzt kommen wir.
die welt kommt nach dem regen.


berlin
wo der mensch zutage tritt
hängt der himmel tief
es ist nicht nacht, doch ziemlich finster
es fällt schnee
jemand geht gemüse kaufen
jemand spielt am fenster orgel
jemand anders
bricht durchs eis vom see
mit der polizeistund
kommt ein schwesterlein ins freie
schwer bewaffnet
trotz der kälte ziemlich schön
und zwei vögel auf den linden
finden plötzlich ihren schatten
denn am himmel
ist ein güldner mond zu sehn

zeigt her eure leiber
zeigt her eure seelen
zeigt her eure häuser
dann lasset uns wählen
zeigt her eure waffen
zeigt her eure hände
zeigt her euer leben
vergeßt nicht das ende

unter sieben steinkaminen
steht der könig angekettet
schwesterlein bringt ihm tabletten
und den wein
könig darf sie nicht berühren
doch die hunde die ihn beißen
schießt sie mit dem sturmgewehr
ins bein
ist seit jeher unsre schönste
bleibt solang der könig lebt
frißt die tauben aus der nacht
brät sie im kamin
spricht nur selten, lächelt abends
schreit bisweilen zur befreiung
will sie einmal gehn
dann laßt sie ziehn

zeigt her eure leiber
(...)


nicht da
gestern nacht
durchgemacht
ein tag vorher auch
lieg in deinen federbetten
träume schlecht von operetten
alles riecht nach rauch

an den guten tagen kommen wir um diese zeit aus einer bar
an den schlechten
so wie jetzt
ist sie nicht da

mitternacht
längst vollbracht
draußen bellt ein hund
Ich geh aus auf 13 feste
und verschling die überreste
fühl mich nicht gesund

an den guten tagen tanzen wir um diese zeit ums mobiliar
an den schlechten
so wie jetzt
ist sie nicht da

erdbeerland
abgebrannt
jemand schaut vorbei
sagt du wirst es überleben
doch ich hab schon aufgegeben
langsam werd ich frei

an den guten tagen kommen wir um diese zeit aus einer bar
an den schlechten
so wie jetzt
ist sie nicht da


durch die wüste
alle taschen voll papier, und am himmel lauter hohn
in den städten nicht ein einziges gesicht
jeder sagt: du sollst dich schämen, dieses leben im ballon
und ich sehÕs auch ein, doch schäme ich mich nicht

meine routen zu verlockend, meine ängste nicht zu haus,
mein ballon zerplatzt, das alles macht jetzt sinn.
dieses land ist voller sand. (im ballon sitzt ein skorpion!)
diesmal steh ich in der wüste. mit-ten-drin.

also geh ich durch die wüste. dieses fällt mir ziemlich schwer.
nicht geradaus, wie ich müßte, sondern kreuz und quer.
(hin und her.)

später treff ich diesen händler, er verkauft ein stück vom mond,
und ich bin bereit, zu zahlen, so wie stets.
doch er sagt mir: du blamierst dich vor der nächtlichen nation.
mußt schon stehlen, baby, wenn du fragst: wie gehts?

ich muß lachen, später heulen, und mein haus versinkt im fluß.
but that little piece of moon it tastes correct.
immerhin, das stück am himmel kann noch grinsen, als es sagt:
kleiner bruder, hat die weisheit dir geschmeckt?

und so geh ich durch die wüste...

als es hell wird, hab ich kopfweh, den revolver in der hand,
vor den augen eine straße mit hotel.
also trink ich cuba libre, bis mein name mir entfällt,
also zielÕ ich auf antennen, auf gestell.

so ein blödsinn, sagst du später. du bist endlich auf besuch,
hast mir milch und neue schuhe mitgebracht.
der ballon ist repariert, und so fliegen wir zu viert,
zweimal du, zweimal ich, und man zählt die vielen dünen, bis man lacht

und so fliegt man durch die wüste...


rita
rita ist ein schönes mädchen
rita triffts du im april
wenn es regnet in den nächten
und dich rita richtig will
kellertief brennt ritas feuer
himmelhoch ist ritas preis
und am morgen wirst du wissen
was dein mädel jetzt schon weiß

jeder macht jetzt
was er will
manche tragen totenkerzen
andre haben liebesschmerzen
dieser frühling hält nicht still
in der zeitung steht
es ist april

rita kauft dir neue hosen
die sie nicht bezahlen kann
später trinkt sie einen liter
schreit dich laut und grundlos an
ritas arsch hängt hoch am himmel
heute ist ein schwarzer tag
morgen könnt noch schlimmer werden
weil sie dich nicht sehen mag

jeder macht jetzt
was er will
manche tragen totenkerzen
andre haben liebesschmerzen
dieser frühling hält nicht still
nix besondres, sagst du,
im april


gespensterlied
die gespenster, die hier wohnen,
heißen moses, joe und max
die gespenster tanzen abends
doch sie singen untertags
und sie stehlen deine wäsche
und sie schmeißen sie ins klo
die gespenster, die hier wohnen
heißen moses, max und joe

unser moses war ein henker
und er köpfte seine frau
seine finger sind noch blutig
seine augen sind so blau
und er holt sich deine hände
und er tanzt durch deinen schlaf
wirst schon sehen, dann am ende
seine klinge ist noch scharf

max und joe, zwei liebe buben,
griffen sich ein altes weib
strangulierten es im keller
einfach so zum zeitvertreib
und sie kriegen dein vertrauen
und sie nehmen dir die angst
doch sie geben sie dir wieder
wenn du nicht nach ihr verlangst

die bewohner dieses hauses
heißen moses, joe und max
und du möchtest bei mir leben
abends doch auch untertags
meine kleinen kalten freunde
grüßen dich und freuen sich so
die gespenster, die hier wohnen
heißen moses, max und joe


hotel
ich wohne im hotel
mit alten männern opernkennern
töchterchen aus tropenländern
leiber tragen schwarz
und münder grell
hier im hotel

ich trinke im hotel
mit leerem magen schweren fragen
freunden die viel mehr vertragen
kichern aus dem hof
und dann gebell
hier im hotel

deine kleinen schritte vor der tür
kichern immer leiser durchs revier
deine stimme vor der rezeption
wird jetzt leiser
du bist heiser
denn du wartest hundert stunden schon
doch die dame mit der brille
sagt dir nehmen sie sich zeit
was geht schon schnell
im hotel

ich warte im hotel
mit großen taschen ganz weit offen,
flaschen leer und ganz besoffen
ziel ich auf mein herz
wie willi tell
im hotel


lusthauswasser
wo unser fluß ganz stillsteht im wald
da graben die bomben neun löcher
es kommen die wolken der regen die flut
jetzt lachen neun silberne becher
dideldum dideldum dideldumdei
jetzt lachen neun silberne becher

neun weiber fanden den platz und gebären
neun schwanzlose nackte katzen
sie geben uns namen sie lehren uns lesen
sie achten drauf, daß wir nicht patzen
dideldum dideldum dideldumdei
sie achten drauf, daß wir nicht patzen

doch dann wird es wärmer, die becher
im flußwald versiegen, die spinnfäden schweben
unsere mütter befehlen uns zu gehen
und das was jetzt kommt das heißt leben
dideldum dideldum dideldumdei
und das was jetzt kommt das heißt leben

wir gehen zu neunt dann zu acht und so weiter
am ende geht jeder alleine
und fragt in den nächten nach nachricht der andren
muß hören, es gebe keine
dideldum dideldum dideldumdei
muß hören, es gebe keine


expresskaffee
du sollst schlechtes wetter lieben
du solllst was zu trinken kaufen
ein paar sachen endlich weghaun
das gekaufte endlich saufen

du sollst deine späten gäste
niemals nach der kindheit fragen
du sollst lieb sein zu insekten
auf sie hörn wenn sie was fragen

du sollst nicht auf preise achten
du sollst täglich dich verschwenden
und läßt es sich nicht vermeiden
sollst du in der gosse enden


schau dein mund ist rot wie blut
schau dein hals ist weiß wie schnee
schau dein herz ist schwarz und unruhig
wie so ein expresskaffee

du sollst viel mit zwiebeln kochen
sollst musik im finstern hören
und du sollst wenn es nicht sein muß
niemanden am häusl stören

du sollst flüssig zeichen lesen
wenigstens die dich betreffen
bei bedarf mit wölfen heulen
anderntags mit hunden kläffen

jedem der sich arglos nähert
sollst du beste auskunft geben
niemals auf abstrakte werte
sollst dein glaserl du erheben


schau dein mund ist rot wie blut
schau dein hals ist weiß wie schnee
schau dein herz ist schwarz und unruhig
wie so ein expresskaffee


nimm mich schwester
nimm mich schwester nimm mich jetzt
das haus ist schon umstellt
unter deinem rock zu reisen
bin ich noch auf der welt

schwester unsre alten lieben
kleben am beton
doch bevor der winter kommt
fährt der zug davon

finster wird es
türen schlagen
der distrikt
hat einen rausch
schmeiß dein tränchen
auf den gehsteig
und nimm mich
im tausch

nim mich schwester nimm mich ganz
brauchst nix überlassen
denn nach sonnenuntergang
sind hunde auf den straßen

und wer dann noch übrig ist
wird sofort zerfetzt
damit schwester mußt du rechnen
also nimm mich jetzt

finster wird es
türen schlagen
der distrikt
hat einen rausch
schmeiß dein tränchen
auf den gehsteig
und nimm mich
im tausch


ostermontag
manchmal geht der tag und sagt nicht schlaft gut
mittendrin im finstern sind wir wach
unter unsrer decke rascheln fragen
wir schauen zum plafond und atmen flach

haben keine wünsche höchstens schwächen
wollen gar nix böses sondern ruh
ein paar leute rufen an und haben keine ahnung
und ein tortenstück vom frühjahrsmond schaut zu


ostermontag ein paar heiße stunden
hinterm krieg ein garten und das meer
einer hat das photo schließlich irgendwo gefunden
und so schlafen wir doch ein und lächeln sehr


in die große halle kommt der amerikaner
sagt es ist nicht dunkel aber bald
und wir beide stehen kilometer auseinander
heulen uns durch die songs und es wird kalt

ostermontag ein paar heiße stunden
hinterm krieg ein garten und das meer
einer hat das photo schließlich irgendwo gefunden
und so schlafen wir doch ein und lächeln sehr


wintertauchen
ausgeburten ofenlöcher
unterm schnee ein rotweinbecher
zeichen stehn am himmel
die kein schwein versteht
unter mänteln menschentrauben
selig sind die später glauben
wintertauchen manchmal rauchen
und so wenig friern wies geht

ständig schlechte neuigkeiten
säufer die schon wieder streiten
keine zigaretten und
die sonne kommt zu spät
kontrollore auf den bahnen
haben meterlange fahnen
wintertauchen manchmal rauchen
und so wenig friern wies geht

hunde lachen auf den straßen
keiner soll das haus verlassen
neujahr ist vorbei und auch
der föhn hat schon geweht
zwischen deinen zarten händen
könnte sichs zum bessren wenden
wintertauchen manchmal rauchen
und so wenig friern wies geht
haare wie flügel

ich schlaf noch drum sag ich
was gleich drauf schon tragisch
und mittags womöglich
auch komisch klingt
ich schlaf noch drum geh ich
zuerst ins kaffeehaus
wo alles mich grüßt
und nach jedem tag stinkt

ich schlaf noch drum trag ich
gefährlicherweise
den schädel entsichert
und aufgemacht
bis jemand mich aufweckt
die haare wie flügel
die augen wie berge
und lachen
wie wasser in der nacht


ich heule das hab ich
von ungeheuern
die leben in
meinen bauch
ich heule so kenn ichs
von folgetonhörnern
die nachbarschaft
hört das auch

ich heule erst leise
dann lauter dann schrecklich
und etwas ist
gegen die tür gekracht
bis jemand mich aufweckt
die haare wie flügel
die augen wie berge
und lachen
wie wasser in der nacht

bis jemand mich aufweckt
die haare wie flügel
die augen wie berge
und lachen
wie wasser in der nacht


wiesenliegen
wiesenliegen frauenwinken
schlafen dann ein viertel trinken
sachen sehen aller art
wiesenliegen frauenwinken
auch wenn die kanäle stinken
riecht man selber richtig zart

ambulanzen fahren
auf der brücke hin und her
suchen einen mann
bei pfeiler drei
hoch am dach vom donauturm
stößt jemand etwas an
unten am asphalt zerplatzt
ein taubenei

wiesenliegen frauenwinken
schlafen dann ein viertel trinken
sachen sehen aller art
wiesenliegen frauenwinken
auch wenn die kanäle stinken
kommt der sommer doch in fahrt

achtundzwanzig grad
und alte weiber führen hunde
durch den park und in dem park
ist es zu heiß
einer sagt: das brot ist hart
der andre macht den doppler auf
am handgelenk des dritten
schmilzt pistazieneis

wiesenliegen frauenwinken
schlafen dann ein viertel trinken
sachen sehen aller art
wiesenliegen frauenwinken
auch wenn die kanäle stinken
riecht man selber richtig zart

letzte arme seelen
nesteln zärtlich in den weiden
es wird dämmrig unter männern
die sich nicht mehr wehrn
ein paar sterne, hoch am donauturm
die schwechaterreklame
und im wald ein lachen
(das kann ich beschwören)

wiesenliegen frauenwinken
schlafen dann ein viertel trinken
sachen sehen aller art
wiesenliegen frauenwinken
auch wenn die kanäle stinken
kommt der sommer doch in fahrt


song für veronika
wenn abende nass sind wie fetzen
motoren nicht laufen laternen nicht brennen
wenn türen nicht schließen und masten sich neigen
und hosenscheisser ins trockene rennen

dann halt ich dich drückst du mich
und deine finger sind kalt
dann lachst du und sagst
in so nächten mein leben
werden wir alt

und die frau mit dem fernrohr
am dach gegenüber
die schaut so wie immer
nach lange verstorbenen sternen
und unsereins
muss ins äpfelchen beissen
damit alle andern
was lernen

ich schließ die tür hinter mir
kriech aus der rüstung heraus
ich zünd meinen ofen an
und du giltst jetzt hier als zu haus

wir horchen auf schreie raketen und schüsse
wir wissen wir sind heute abend nicht dran
umarmungen zeit vergeht später wirds
und wir ziehen uns an


und die frau mit dem fernrohr
am dach gegenüber
die schaut so wie immer
nach lange verstorbenen sternen
und unsereins
muss ins äpfelchen beissen
damit alle andern
was lernen


räuber und raub
ich bin dein räuber und du bist mein raub
in der garage zu verstecken
bei alten maschinen und trockenem laub
und viechern in komischen ecken

du hättest termine, ich werd sie storniern
du selber magst dazu nix sagen
zu essen gibts auch was nach dem telephonieren
ich hoffe du wirst es vertragen

ich werde jetzt gehn denn mir fehlt der kaffee
ich werde jetzt gehn um zu rauben
daß ich dich am abend noch wiederseh
woran soll ich sonst denn noch glauben

ich bin dein räuber und du bist mein raub
du bist bei mir solang ich das glaub


labyrinth
meine nacht hat dreizehn türen
wo du in der tasche keine schlüssel finden kannst
briefe schreib ich die dich führen
in paläste und auf feste
wo du keinen sehen wirst
der tanzt

dann bin ich dein labyrinth
bin dein armer hund der spinnt
beiße dir ein stück vom bein
will für immer bei dir sein

meine nacht hat böse tanten
eine blind und eine taub und eine andere stumm
glaubst du hast es überstanden
hörst sie singen flaschen bringen
wirbeln dich im kreis herum
dideldum

dann bin ich dein labyrinth
bin dein armer hund der spinnt
lecke dir das blut vom bein
will für immer bei dir sein

dann bin ich dein labyrinth
bin dein armer hund der spinnt
schenk dir einen edelstein
will für immer bei dir sein

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